Gedanken

Insel der Ausreden – Eine Bilanz des Stillstands

Wie war das noch gleich?
Wer etwas will, findet Wege – wer nicht: findet Ausreden.
Hier auf unserer beschaulichen Insel haben wir den Spruch wohl ein bisschen zu wörtlich genommen. Wer hier was will, bekommt eine Umfrage. Oder ein Flatterband.

Das Problem ist nicht, dass nichts fertig wird.
Das Problem ist, dass niemand einen Plan B hat – und wenn doch, wird der sicherheitshalber nicht mitgeteilt. Oder diskutiert. Oder umgesetzt. Wäre ja ambitioniert.

Ich wohne seit 14 Jahren hier. Und ganz ehrlich: Mir fällt kein einziges größeres Projekt ein, das reibungslos, sinnvoll oder bürgernah funktioniert hätte. Hier ein paar Highlights – ein Potpourri des Wahnsinns:

Projektchaos & Bürgervergessenheit: Eine Auswahl

  • Ruderakademie, Palmberg, WC-Häuschen:
    Entweder zu teuer, zu langwierig oder einfach völlig am Bedarf vorbei. Man schafft es nicht mal, ein öffentliches Klo ans Netz zu bringen – seit zwei Jahren.
  • Radverkehr?
    Man diskutiert wochenlang über einen abgesenkten Bordstein – während Radfahrer wahlweise als Helden oder Verkehrssünder behandelt werden. Fortschritt? Fehlanzeige.
  • Mobilität für alle?
    Shuttlebus? Kiss & Go? Autoreduzierung? Klingt alles nach 2025, wird aber 1985 verwaltet.
  • Bäume ersetzen?
    Jeder gefällte Baum soll ersetzt werden. Schön! Aber… wo stehen die eigentlich? (Frag für einen Freund.)
  • Tourismus & Wirtschaft?
    Ideen gäbe es – aber wir reden lieber über Parkplätze. Andere Regionen machen Haushaltsüberschüsse mit Radtouristen. Hier? Da macht man lieber… nix.
  • Marktplatz?
    Viel diskutiert, wenig entschieden. Lübeck zeigt, wie es geht. Wir zeigen, wie man sich windet.
  • Altes Sparkassengebäude?
    Könnte ein Ort der Begegnung sein. Ist aber ein Ort des Stillstands.
  • Jugend? Bewegung? Freizeit?
    Skaterbahn? Nö. Lärmbelästigung! Parcours? Halbherzig. Basketballkorb auf Teer? Natürlich!
    Hauptsache: Beschweren, wenn Kids zur Demo gehen oder am Handy hängen.
  • Sportanlagen?
    Fuchsbau? Gesperrt – seit ewig. Ausweichstelle am Wasser? Auch gesperrt. Man kann hier nichts falsch machen, wenn man einfach gar nichts macht.

Und jetzt das neue Glanzstück:

Früher: Sandstrand, Wasserzugang, Pommes, Beachvolleyball.
Geliebt. Benutzt. Funktioniert.

Jetzt:
Nach Bürgerbefragung gibt’s… einen neuen Kiosk, Volleyball – aber keinen Strand. Und keinen Zugang zum Wasser.

Das ist so absurd, dass es fast wieder konsequent ist.


Fazit:

Ich kann zu jedem dieser Punkte die offiziellen Begründungen runterrattern. Natürlich gibt es Gründe. Natürlich ist Verwaltung komplex.
Aber dass man über Jahre hinweg praktisch nichts für die Menschen vor Ort hinbekommt, das ist schon eine besondere Fähigkeit. Hut ab.